FAQ

Oft gestellte Fragen

Bei der Soziokratie geht es darum, dass die an einer Sache Beteiligten ihre Kraft im Sinne der gemeinsamen Sache und im Hinblick auf das gemeinsame Ziel einsetzen und tragfähige Entscheidungen treffen können. In Abgrenzung zur „Demokratie“ wo es um Mehrheitsentscheidungen geht, ist das Ziel in soziokratisch organisierten Gemeinschaften, dass eine Lösung gefunden wird, bei der auch diejenigen Standpunkte, die in der „Minderheit“ sind, in die Entscheidungen mit einbezogen werden.

Da die Soziokratie in der Bildungslandschaft in Deutschland noch recht neu ist, werden wir diese Organisationsform hier etwas erläutern. Als Beispiel ist das gemeinsame Essen zu nennen, das zusammen zubereitet und verspeist wird. Auch Zeiten, die in gemeinschaftlichem Tun, z.B. mit einem Spiel verbracht werden, werden miteinander gestaltet und die Kinder haben Mitspracherechte.

Was im Rahmen dieser Auseinandersetzung miteinander gelernt werden kann, ist für die Kinder unerlässlich: Sie lernen, sich selbst und ihre Meinung zu spüren, ihre Berechtigung wahrzunehmen, sich mitzuteilen, ihre Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse in Worte zu verpacken und auszudrücken, sich anderen verständlich zu machen. Im Zuge dessen spüren sie Reaktionen der anderen auf sich, dass andere Menschen anders denken und fühlen und von ihnen unterschiedene Bedürfnisse haben. Sie schulen ihre Empathie, ihre Möglichkeiten der Perspektivübernahme anderer. Sie spüren, dass sie und ihre Meinung – gleich wie andere etwas sehen – Berechtigung haben, ernst genommen werden und sie damit wichtig für die Gemeinschaft sind. Das heißt, dass es sich hierbei um eine pädagogische Entscheidung handelt, die Kinder soziokratisch in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, die für sie von Bedeutung sind, weil sie so für den Ausbau ihres eigenen Selbstwertgefühls zentrale Erfahrungen sammeln.

Die F.L.A.U.S.E. ist mehr als nur eine Schule. Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die eine Umgebung gestalten wollen, in der sowohl Erwachsene als auch Kinder wachsen und sich entwickeln können. Hier sind insbesondere die Werte Jesper Juuls (Authentizität, Verantwortung, Integrität, Gleichwürdigkeit) zu nennen, die Grundlage aller Zusammenarbeit sein sollen. Wir nehmen also nicht nur Kinder auf, sondern die ganze Familie. Mit der Aufnahme des Kindes verpflichten sich die Eltern an einer Arbeitsgemeinschaft mitzuarbeiten. Dabei können zwischen zahlreichen AGs frei gewählt werden (IT, Außengelände, Schulgebäude, Social Media, …). Die Eltern können dadurch Teil des Systems werden und aktiv mitgestalten, andererseits kann dadurch langfristig das Schulgeld gesenkt werden, da so die Kosten gesenkt werden.

Zahlreiche Bildungsangebote, wie z.B. der Elternkursgeben den Eltern und Kindern die Gelegenheit sich mit Jesper Juul und seinen Hinweisen für eine gelingende Eltern-Kind Beziehung auseinanderzusetzen und die eigenen Erfahrungen mit Erziehung und Schule wahrzunehmen und zu reflektieren.

Im Entdeckerkurs (Vorschulkurs für interessierte Kinder und Eltern) können Kinder erleben, wie es sich anfühlt sich in einer vorbereiteten Lernumgebung zu bewegen. Die Eltern haben dort die Gelegenheit ihr Kind in dieser Situation zu beobachten, Fragen loszuwerden und für sich zu prüfen, ob sie solch offene Lernsettings für ihr Kind wünschen.

Sowohl einige Gründungseltern als auch die zukünftigen Schulangestellten bieten Weiterbildungsangebote aus den verschiedensten Bereichen, wie Familienberatung, Coaching, Pferde- und Hundegestütztes Coaching, gesunde Ernährung, etc. … an.

Die F.L.A.U.S.E. bietet über die üblichen Elternabende hinaus ein erweitertes Angebot an Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Aspekten von Lernen. Diese Angebote sollen auch schon vor Beginn des Schulbetriebs starten.

Die Wertegrundlage der F.L.A.U.S.E. bilden die vier Werte des populären Pädagogen, Familientherapeuten und Autor Jesper Juul in seinen Büchern. Sie bilden sozusagen die innere Grundlage für alle Angelegenheiten der Schule und der Menschen, die darin leben und arbeiten.

 

Verantwortung

Jeder erwachsene Mensch ist für das, was er denkt, redet und tut verantwortlich. Durch den freien Willen kann er Entscheidungen treffen, für deren Tragweite er verantwortlich ist. Kinder und Jugendliche sollen Schritt für Schritt an diese Verantwortlichkeit herangeführt werden, indem sie immer mehr Zuständigkeit für die sie angehenden Lebensbereiche bekommen und diese verantwortlich übernehmen.

Die Erwachsenen tragen jedoch immer die Verantwortung für die Beziehungsqualität zu den Kindern und Jugendlichen, also die Eltern für die Beziehungsqualität zu ihren Kindern, die Lernbegleiter*innen für die Beziehungsqualität zu ihren Schüler*innen.

Da das Lernen zu 80% auf der Beziehungsqualität basiert (Gerald Hüther), liegt es in der Verantwortung der Lernbegleitung, diese Beziehungsqualität herzustellen und dafür zu sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen einen Zugang zu ihren Interessen finden. Da Kinder von Natur aus neugierig und wissensdurstig ihre Welt erforschen wollen, besteht die Aufgabe der Erwachsenen darin, ihnen genügend Freiraum zu geben, in dem mit Begeisterung für eine Sache gelernt und an ihr gearbeitet werden kann. Von großer Bedeutung ist hierbei die Begleitung durch verantwortungsvolle Erwachsene, die die Kinder in ihren Prozessen der Auseinandersetzung von Lerninhalten bzw. des Kompetenzerwerbs und der Aneignung von Fertigkeiten begleiten und ihre je individuellen Entwicklungsprozesse positiv anregen und sie ermutigen, diese weiter zu verfolgen.

 

Authentizität

Die Rolle der Menschen in der F.L.A.U.S.E. führt sie zusammen: Schüler*innen, Lernbegleiter*innen, Eltern. Jedoch ist es grundlegend, dass die Kinder und Jugendlichen erkennen, welcher Mensch sich hinter dieser Rolle verbirgt. Sie wollen sich orientieren, wollen wissen, wie sich Erwachsene verhalten, wie sie leben und den Herausforderungen des Lebens begegnen. Aus den verschiedenen Lebensmodellen, die ihnen begegnen, werden sie sich Stück für Stück ihr eigenes gestalten. Dabei ist es für sie kein Problem, wenn Erwachsene unterschiedliche Lebensmodelle haben, solange diese authentisch sind, nicht als die alleinige Wahrheit hingestellt werden und andere nicht unterbewertet oder gar abgewertet werden.

Die Erwachsenen (Lernbegleiter*innen, Eltern, Projektleiter*innen) an der F.L.A.U.S.E. sind angehalten, die Kinder als authentische Wesen zu sehen und ihre Wesensart und ihr Verhalten ernst zu nehmen. Die sogenannte Verhaltensauffälligkeit ist meist ein Hilferuf, ein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt in der Umgebung, in der das Kind oder der Jugendliche lebt. Für die Erwachsenen sind dies nicht persönliche Angriffe, sondern wertvolle, authentische Hinweise des Kindes, das damit etwas zeigen möchte, was es anders nicht deutlich machen kann.

Ein ‚Nein‘ der Erwachsenen, das einen Konflikt vermeiden möchte oder willkürlich und unnötig ausgesprochen wird, ist für Kinder und Jugendliche unstimmig. Ein authentisches Nein ist kein Problem. Es wirkt überzeugend, weil es sich nicht gegen jemanden richtet, sondern für einen selbst. Und sie lernen dabei: Es ist in Ordnung, zu sagen was man denkt und fühlt und es ist wichtig, die persönlichen Grenzen gegenüber anderen Menschen (Kindern und Erwachsenen) klar zu kommunizieren und zu verteidigen.

 

Integrität

Integrität beschreibt den Raum, den ein Mensch braucht, um sich zu entwickeln, zu entfalten, sich wohlzufühlen und ein glückliches Leben zu führen. Ein integrer Mensch denkt, spricht und handelt verantwortungsvoll in Übereinstimmung mit seinen Grundwerten und seinem Gewissen. Der integre Raum eines Menschen entwickelt sich permanent weiter. Wenn ein Kind beginnt, Nein zu sagen, dann ist dies keine Trotzreaktion (oder bei Jugendlichen als oppositionelles Syndrom zu definieren), sondern eine Inanspruchnahme seiner Verantwortlichkeit für das eigene Wohlbefinden. An den Erwachsenen ist es, dieses Verhalten richtig zu deuten und nicht als ein Fehlverhalten oder gleich als psychische Erkrankung zu definieren und mit einer psychiatrischen Diagnose zu versehen. Zu oft dringen Erwachsene mit Ihrer Grundhaltung und ihrem Verhalten in den Integritätsraum der Kinder und Jugendlichen ein, indem sie sie zurechtweisen, definieren und ihnen insgeheim oder offensichtlich zu verstehen geben, dass sie falsch sind und sie damit in ihrem Selbstgefühl verletzen.

Das Selbstgefühl der Kinder und Jugendlichen zu nähren, ist eine grundlegende Aufgabe der Erwachsenen, denn es ist ihre Verbindung zu sich selbst und ein wichtiger Kompass, der anzeigt, dass sie sich selbst und ihre Gefühle gut kennen und einschätzen können.

Ein Kind, ein/e Jugendliche/r, das/der/die gelernt hat, verantwortlich und authentisch Nein zu sagen, ist auch in der Lage, Ja zu seinem/ihrem Leben und dem Leben anderer zu sagen und wird so in seinem/ihrem Leben leichter die eigene Integrität und die der anderen wahren. Lernen können die Kinder und Jugendlichen dies insbesondere auch in Form des Rollenmodells durch Erwachsene, die authentisch Nein sagen und damit natürlicherweise vorleben, dass dies nicht nur in Ordnung, sondern wichtig ist.

 

Gleichwürdigkeit

Eine gleichwürdige Beziehung ist die Begegnung auf innerer Augenhöhe. Als Grundwert ist sie die praktische Ausgestaltung der Forderung des Grundgesetzes §1,1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und beschreibt eine Haltung, die das Gegenüber als ein gleichwertiges Wesen betrachtet und dementsprechend handelt. Erwachsene und Kinder sind gleichwürdige Wesen. Eine gleichwürdige Beziehung zweier Menschen ist darauf bedacht, das Gegenüber zu sehen, als individuelle Persönlichkeit wahrzunehmen, in seiner Art wohlwollend zu begegnen und in seinem Lebensmodell und seiner Art und Weise, dem Leben zu begegnen, ernst zu nehmen.

In dieser Haltung sind Kinder keine leeren Hüllen, in die etwas hinein erzogen und Wissen hinein gelernt werden muss, sondern Wesen, in denen – wie bei einem Apfelsamen der Apfelbaum – alles angelegt ist, um ein authentisches, verantwortliches und glückliches Leben zu führen, das die eigene Integrität und damit auch die persönlichen Grenzen der anderen achtet und schützt.

 

(vgl. Jesper Juul: „Was Familien trägt. Werte in Familie und Partnerschaft“ und „Vier Werte, die Kinder ein Leben lang tragen“)

Das ist nicht mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. An unserer Schule wird den Kindern ein großes Maß an Eigenverantwortung zugetraut und im Rahmen ihrer Möglichkeiten (abhängig von Alter, Reifegrad, …) auch gefordert. Je nach dem ob es die Kinder durch das Elternhaus oder vorherige (Schul-) Erfahrungen gewohnt sind eine solche Freiheit zu genießen, könnte es sein, dass sie eine Weile brauchen, um sich darin zurechtzufinden. Es ist also wichtig, dass auch die Eltern ihrem Kindern das Vertrauen entgegenbringen, dass es lernen möchte und seinen Weg gehen wird. Und das ohne Druck und Zwang von Außen.

 

Das bedeutet, dass es für den erfolgreichen Schulbesuch wichtig ist, dass die Eltern die Werte und Einstellungen teilen oder zumindest bereit sind gemeinsam mit Unterstützung aller Menschen an der F.L.A.U.S.E. ihre Einstellungen zum Lernen reflektieren möchten.

Unser Anliegen ist es, dass sich die Kinder an der Schule wohl fühlen, denn das ist die Grundvoraussetzung für erfolgreiches, selbstbestimmtes Lernen und Wachsen. Innere Konflikte bei den Kindern durch sehr unterschiedliche Sichtweisen im Elternhaus und in der Schule sind da kontraproduktiv.

Die F.L.A.U.S.E. möchte eine integrative Grundschule sein und steht grundsätzlich allen Kindern offen. Hier ist wichtig, dass sie möglichst frühzeitig (ca. 1 Jahr) mit uns in Verbindung treten, damit wir ggf. den Bedarf an Fachkräften prüfen können.

Das Schulgeld wird ca. 500-600€ (Solidarprinzip) pro Monat betragen. Durch Spendenaquise und andere Aktionen wird die Schulgemeinschaft auch in dieser Zeit versuchen, das Schulgeld zu reduzieren. Reicht der Betrag, den eine Familie zahlen kann nicht aus, werden wir versuchen, eine gemeinschaftliche Lösung zu finden. Dazu kommen noch 40€ für das Mittagessen, dass konzeptionell fest eingeplant ist.

Zusätzlich zum Schulgeld muss für jedes Kind ein zinsloses Darlehnen von 2000€ geleistet werden, dass nach Verlassen der Schule an die Familie zurückgezahlt wird. Über GLS Bank, mit der die Schule zusammenarbeitet, kann bei Bedarf ein Angebot zur Finanzierung dieses Betrages eingeholt werden. Bei Anmeldung wird eine Aufnahmegebühr von 250€ fällig.

Die Angaben zur Höhe des Schulgelds etc. sind ohne Gewähr, da die Finanzplanung noch nicht ganz abgeschlossen ist und bis dahin immer wieder Änderungen entstehen können.

 

Wenn für Eltern die zur Finanzierung der Schule nötigen finanziellen Elterngelder herausfordernd sind, sind sie herzlich eingeladen, sich für Einzelfalllösungen an uns zu wenden. Wir möchten nicht, dass Familien aus diesem Grunde keinen Platz bei uns finden.

 

beispielhafter Tagesablauf für die Primarstufe

8.00 – 9.00 Lernzeit (Alle außer 1+2. Stufe) Betreuungszeit für Stufe 1+2

9.00 – 10.45 Lernzeit (Alle)

10.45 – 11.30 Großer Plenumskreis

11.30 – 12.30 Lernzeit (Alle)

12.30 – 13.00 Mittagessen (für Alle) 13.00 – 16.00 Nachmittagsbetreuung (für angemeldete Kinder)

Das Schulleben in der F.L.A.U.S.E. findet in jahrgangsgemischten Lerngruppen (Klasse 1-6) statt. Ab 8 Uhr beginnt dann offiziell mit einem Ritual die Tagesaktivität der älteren Kinder (3.-6. Klasse) und um 9 Uhr die der 1.+2.-Klässler. Es wird pro Tag mindestens ein gemeinsame Treffen im Plenum/Kreis geben, in dem erzählt, die verschiedenen den Schultag betreffende Dinge besprochen werden können, Aktivitäten geplant und etwas präsentiert und reflektiert werden kann. Das ist das zentrale Element des Schullebens. Die Lernaktivitäten der Kinder finden im großen Schulraum im Erdgeschoss, im kleineren Differenzierungs- oder Bewegungsraum im 1. Stock und auf dem großen Außengelände statt.

Mittags wird gemeinsam ein in Kleingruppen selbst gekochtes Mittagessen verzehrt. Der Schulvormittag endet für alle Kinder voraussichtlich um 13 Uhr.

Jedes Kind möchte Lernen. Das ist ein natürlicher Drang, den man bei Säuglingen und kleinen Kindern sehr gut beobachten kann. Diese Freude am Lernen möchten wir in der Schulzeit weiter erhalten und auf keinen Fall „zerstören“. Das kann dann gelingen, wenn wir die Kinder weiterhin ein Subjekt ihres Lernens sein dürfen. Das bedeutet, dass sie selbst entscheiden, was sie wann und wie lernen wollen. Das ist für die meisten Menschen schwer nachzuvollziehen, weil sie Schule selbst meist ganz anders erlebt haben und sich nicht vorstellen können, dass Kinder freiwillig aus freien Stücken lernen wollen. Jedoch lernen schon seit längerer Zeit Kinder in den verschiedensten freie Schulen selbstständig und erfolgreich.

 

Wenn ich nur darf, wenn ich soll, aber nie kann, wenn ich will, dann mag ich auch nicht, wenn ich muss. Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann mag ich auch, wenn ich soll, und dann kann ich auch, wenn ich muss. Denn schließlich ist es doch so: Die können sollen, müssen auch wollen dürfen. “ (Dr. Heinz Schirp, Professor für Neurowissenschaften und Lernen)

„Als Neurobiologe kann ich nur sagen, dass das Allerwichtigste, das ein Mensch besitzt, und das die Voraussetzung ist, dass er viel lernt und sich später im Leben zurechtfindet, die angeborene Lust am Entdecken und am gemeinsamen Gestalten ist.“ (Gerald Hüther)

Nachhaltiges Lernen ist ein aktiver vom Kind gesteuerter Prozess, der nicht von außen gesteuert wird. Lernen gelingt am Besten mit Begeisterung oder zumindest mit Freude.

„Man kann Kinder durch Druck und unter Androhung von Strafe zwingen, sich bestimmtes Wissen anzueignen. Man kann ihnen auch Belohnungen versprechen, wenn sie besser lernen. So lernen sie aber nur, sich entweder dem Druck immer geschickter zu entziehen oder mit möglichst geringem Aufwand immer größere Belohnungen zu bekommen. Beides sind Dressurverfahren, die genau das zerstören, worauf es beim Lernen ankommt: eigene Entdeckerfreude und Gestaltungslust. Diesen Lernzugang über die Eigenmotivation, nach dem Motto Erfahrung macht klug, suchen die Bildungseinrichtungen und die Eltern leider immer seltener. Die Potenziale der Kinderwerden so im Leistungsdruck erstickt. Wenn Eltern dann ihr Kind noch von einer Fördermaßnahme zur anderen schleppen und den Lernprozess auf diese Weise antreiben wollen, hat das Kind gar keine Zeit und Ruhe mehr, etwas aus eigenem Antrieb zu leisten. Kinder brauchen Zeit und Raum zum eigenen Entdecken und Gestalten. Das geschieht zum Beispiel beim Spielen. Deshalb ist Spielen allerhärteste Lernarbeit.“

(Quelle: http://www.win-future.de/downloads/lernenprofdrhuetherclaudiahaase.pdf)

 

Es gibt an der F.L.A.U.S.E. keinen Stundenplan. Verschiedene Lernformen können parallel zueinander stattfinden. Die Kinder lernen durch das freie Spiel, durch freies Lernen/Arbeiten an selbstgewählten Tätigkeiten, während des gesamten Essens-Herstellungsprozesses, indem sie Lernimpulse aufnehmen, durch die Arbeit an gemeinsamen oder eigenen Projekten. Oft entstehen Lerngelegenheiten aus der Situation heraus. Die Kinder arbeiten dann voll Lust und Freude entsprechend ihren Voraussetzungen an dem Thema und das oft mit unglaublicher Ausdauer. Die Lernbegleiter*innen respektieren und unterstützen dabei die Individualität der Kinder.

Die Kinder sind in ihrem Lernprozess nicht auf sich alleine gestellt. Die Aufgabe der Erwachsenen ist es sie darin zu begleiten und ihnen dabei helfen ihr Potential zu entfalten. Durch die Zusammenarbeit mit den anderen Kindern, den Präsentationskreisen und eine liebevoll vorbereitete Lernumgebung gibt es zahlreiche Impulse und Anregungen zum Lernen.

An der F.L.A.U.S.E. können die Kinder keine Schulabschlüsse machen. Wenn die Sekundarstufe gegründet ist und Schüler*innen ihren Haupt- oder Realschulabschluss machen wollen, absolvieren sie diese Prüfung an einer anderen Schule im Umkreis.

Ja! Die Kinder in der F.L.A.U.S.E. haben sich selbst kennengelernt, sie kennen ihre Stärken und haben gelernt mit ihren Schwächen umzugehen. Durch die Eingebundenheit in die Schulgemeinschaft haben sie auch gelernt sich als ein wertvolles Individuum, dass einer Gruppe zugehörig ist zu erfahren, Kompromisse zu schließen und Lösungen zu finden.

Der eigentliche Schatz, den wir fördern müssten, ist die Begeisterung am eigenen Entdecken und Gestalten, das Tüftlertum, die Leidenschaft, sich mit etwas Bestimmtem zu beschäftigen. All das wird bei den Pisa-Tests gar nicht gemessen. (Gerald Hüther)

Wir wollen genau das bei den Kindern fördern, was Gerald Hüther in diesem Zitat beschreibt.

Die Kinder, die an der F.L.A.U.S.E. selbstbestimmt und in einer soziokratischen Gemeinschaft lernen können, haben die Gelegenheit sehr früh schon viele Dinge, die man nicht durch Tests und Prüfungen messen kann, die aber für ein glückliches und erfülltes Leben bedeutsam sind.

Jedes Kind kommt irgendwann an den Punkt diese Kulturtechniken lernen zu wollen. Oft wollen sie das ja schon, bevor sie in die Schule kommen. Oder sie wollen in die Schule, damit sie das lernen können. Schließlich sind die Kinder umgeben von Menschen, die alle Lesen, Rechnen und Schreiben können und wollen das dann auch können. Der Weg dahin kann ganz unterschiedlich und individuell sein. Manche möchten es gezeigt bekommen, entweder von den Lernbegleiter*innen oder Mitschüler*innen, andere lernen es selbst oder durch die Nutzung bestimmter Unterrichtsmaterialien.

Die Frage ist hier für was „genug“ ist. Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten und welches inhaltliches Wissen in der Welt in der Zukunft wichtig sind wissen wir jetzt noch nicht.

Inzwischen wurde durch Studien gezeigt, dass vom Schulstoff, der in der Schule irgendwann einmal „gelernt“ wurde nach ziemlich kurzer Zeit (2 Jahre) nur noch 20% übrig bleibt.

Was auf jeden Fall notwendig sein wird, egal wie die Zukunft aussehen wird sind diese Fähigkeiten:

– neugierig und offen sein (Lust und Freude am Entdecken und Lernen)

– sich selbst motivieren können, etwas zu tun (intrinsische Motivation)

– selbstständig planen und handeln können.

– mit anderen planen und zusammenarbeiten können

– wissen, was man gut kann und welche Tätigkeiten einem Spaß machen

– selbst ein Gefühl dafür haben, was einem gut tut und was man braucht

– Konflikte lösen können

– Andersartigkeit als Bereicherung empfinden

– Empathie

 

Die Kinder an der F.A.U.S.E. erhalten Gelegenheit diese Fähigkeiten zu lernen und zu erproben. Darüber hinaus lernen die Kinder das, was sie selbst für ihren individuellen Lebensweg brauchen. Sollte das Kind sich auf eine externe Abschlussprüfung vorbereiten müssen (wenn es eine Sekundarstufe gibt), wird es dabei unterstützt das zu lernen, was es für diese Prüfung braucht. Dabei lernt das Kind dann, wenn es selbst dazu bereit, aufnahmefähig und interessiert ist.

Nein, es wird keine verpflichtenden Hausaufgaben von Seiten der Schule geben. Freiwillig kann das Kind natürlich zu Hause so viel Arbeiten und Lernen wie es möchte :-). Das kann es dann individuell mit den Lernbegleiter*innen besprechen.

Die Lernbegleiter*innen richten ihre Lernangebote an dem aus was die Kinder benötigen und/oder wünschen. Ob und welche Kurse es evlt. geben wird, wird dann in der jeweiligen Situation entschieden. Das gleiche gilt für Unterrichtsmaterialien, wie z.B. Arbeitshefte, Schulbücher, ….

Nein. Es wird keine Ziffernzeugnisse geben, das Bewerten in dieser Form widerspricht unserem Verständnis von nachhaltigem und selbstbestimmten Lernen und der Vorstellung, die wir von der vertrauensvollen Beziehung zwischen den Lernbegleiter*innen und den Kindern haben. Statt dessen gibt es Beobachtungen, die fortlaufend von den Lernbegleiter*innen dokumentiert werden, Lernentwicklungsgespräche mit Eltern und Schülern und ein von den Kindern zunehmend selbst gestalteten Portfolio, in dem die Kinder (je nach Altersstufe mit Unterstützung das was Ihnen wichtig ist dokumentieren können.

Das Zusammenleben an der F.L.A.U.S.E. kommt nicht ohne gemeinsame Absprachen aus. Diese können in den täglichen Plenumskreisen getroffen, überarbeitet und diskutiert werden. An dieser Stelle möchten wir nochmal auf die Werte Jesper Juuls hinweisen, die für das Zusammenleben an der F.L.A.U.S.E. für alle Beteiligten richtungsweisend sind.

Grundsätzlich will jedes Kind lernen. Es kann jedoch sein, dass es z.B. durch vorherige (Schul-)Erfahrungen seine „Lernfreude“ verloren hat. In diesem Fall benötigt das Kind Zeit, diese negativen Erfahrungen, den Druck und den Stress hinter sich zu lassen. Diese Zeit möchten wir den Kindern gerne geben. Es kann sein, dass es dann eine Weile „Nichts“ tut, bzw. etwas tut, was nicht sofort als sinnvolle Aktivität zu erkennen ist. Das heißt aber nicht, dass es nicht für das Kind in diesem Moment sehr sinnvoll ist.

Es gibt darüber hinaus sehr unterschiedliche Gründe, warum ein Kind in einem Bereich nicht lernen möchte oder einen bestimmten Lernbereich vermeidet. In jedem Fall gibt es einen Grund und den gilt es dann zunächst mal herauszufinden. Vielleicht fehlen ihm wichtige Voraussetzungen dazu etwas bestimmtes zu Lernen. Die Aufgabe der Lernbegleiter*innen, gemeinsam mit dem Kind (und ggf. den Eltern) in Verbindung zu sein und es bei seinem Lernweg zu begleiten.

Wir wollen im Schuljahr 22/23 mit 25 Schüler*innen und 2 Lernbegleiter*innen-Stellen starten. 3 Personen teilen sich diese 2 Stellen, sodass immer 2 Personen da sind. Das Team wird unterstützt durch eine FSJ-Kraft. Innerhalb der ersten 3 Jahre steigt die Schülerzahl auf insgesamt 45 Kinder, sodass ein Personalschlüssel von max. 20-25 Kinder auf eine Lernbegleiter*in besteht.

Wir wissen dass es funktioniert, da es andere schon seit mehreren Jahren erfolgreich so machen. Obwohl Schulen, die so arbeiten, selten, gibt es sie dennoch schon seit Jahrzehnten, angefangen mit z.B. Summerhill, England. Die FRISCH – Schule in Michelstadt arbeitet schon seit Jahren auf eine ähnliche Weise erfolgreich. Zahlreiche Erfahrungsberichte und einzelne Evaluationen von offen gestaltetem Unterricht liegen ebenfalls vor (vgl. Falko Peschel. Offener Unterricht in der Evaluation).

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